Month: April 2013

Nattō (納豆).

Ich bin mit dem Vorsatz nach Tokyo gekommen, so ziemlich alles an Speisen auszuprobieren, was mir angeboten wird. Bisherige Highlights: Frittierte Knoblauchzehen, rohe Schweineleber, roher Tintenfisch. Alles überraschend schmackhaft. Bei einer leckeren Sushi-Runde war es dann soweit. Nattō. Fermentierte Sojabohnen. Auf den ersten Blick eigentlich lecker, so ähnlich wie Peanuts. Entsprechend dachte ich mir – so wild kann es ja nicht sein. Nach wenigen Momenten entwickelt sich aber der echte Geschmack dieser … Leckerei. Sie sind weich, ultra-klebrig und schmecken so dreiviertel verdorben, einfach übel, wüsste nicht wie ich es besser beschreiben kann. Einfach komplett ungewohnt. Ich hab es dann schnell runter geschluckt und ein anderes Sushi samt Grünem Tee hinterher geschoben. Anderen ‘Westlern’ erging es dabei weniger gut, da ist die Köstlichkeit einen Moment zu lange im Mund geblieben – und dann in der Serviette gelandet. Gefolgt von einigen zügigen Schritten zur Toilette. Aber ja, die Japaner hier mögen es. Gerne mal so ein Schälchen zum Frühstück. Vielleicht einfach eine Frage der Gewöhnung :) Advertisements

Mein Stundenplan in Tokyo …

… sieht übrigens so aus. Jeden Tag 9.15am Japanisch Unterricht. Da darf man zuvor noch 1h15m Zugfahren einrechnen. Aber man gewöhnt sich bekanntlich an alles, selbst an früh aufstehen :-) Habe belegt: 111 – Japanisch (Emi SAKAMOTO + Kyoko TOMIKURA) 201 – Intro Sociology (Prof. David WANK) 205 – Intro International Relations (Prof. Tadashi ANNO) 335 – Religion, Conflict, Violence (Prof. Tatsuo MURAKAMI) 451 – Society and Politics (Prof. David WANK) Die 200er Kurse sind jew. so 100 Studenten (hauptsächlich Juniors), die 300+400er ca. 25 Studenten (Seniors). Im Japanisch-Kurs sind es überschaubare 15-20 Kommilitonen.

The Happy Monday System.

Oder: Wieso es hier an der Universität virtuelle Tage gibt. In Japan gibt es 15 Feiertage. Um das ewige Spiel um Brückentage zu vermeiden und um den Japanern automatisch öfter ein langes Wochenende zu bescheren sind hier einige Feiertage einfach per Gesetz auf Montage verschoben worden. Das bringt an der Uni echte Merkwürdigkeiten mit sich. Da Kurse, die montags sind, ja durch das Gesetz weniger oft stattfinden würden, wurden hier virtuelle Tage eingeführt. So wird man z.b. am 30. April (ein Dienstag) einfach so tun, als wäre es ein Montag. Alle Kurse, die montags statt finden sind also am Dienstag, die eigentlichen Dienstagskurse entfallen. Verwirrung vorprogrammiert. :)

The Kawanori Mountain (川乗山)

Heute im Programm: Hiking. Die Idee im Hinterkopf: Entspannt durch ein paar Berge schlendern, bisschen was essen, nachmittags munter nach Hause kommen. Wo: Kawanori Mountain, ca. 1,5 Stunden westlich von Tokyo, ca. 1.500m Höhe. Lektion des Tages: “When everybody else is over-prepared, you might be under-prepared.” Die Realität: 7 Uhr zur Bahn, 9 Uhr in Richtung Gipfel aufmachen, “Die Japaner alle mal wieder over-prepared mit 3 Jacken und großem Rucksack, es scheint doch die Sonne”, merken dass es ein gutes Stück anstrengender ist als erwartet, den Gipfel gegen 12 Uhr bei inzwischen dichtem Nebel erreichen, merken dass es doch ziemlich frisch wird, Durchhalteparolen abgeben, “ok, das ist kein Anfänger-Hiking, da geht es richtig steil runter”, höchst wackelige improvisierte Brücken, Abstieg bei inzwischen leichtem Schnee, ziemlich durchnässt einen wundervollen Wasserfall erreichen, völlig durchnässt gegen 17 Uhr die Bushaltestelle finden, 21 Uhr zurück Zuhause: Völlig ausgekühlt, Hände kaum mehr spürbar, durchnässt, um einiges an Erfahrung reicher: Und trotzdem – es hat sich gelohnt. Wer in die Natur will muss sie dann auch akzeptieren :-) Schönster Moment: Eine …

Gastfreundschaft und Sake 酒.

Zwei Begriffe, die hier unzertrennbar zusammengehören. Wir sind gestern zum Abendessen bei einem Freund eingeladen worden – das erste Mal dass ich eine japanische Wohnung von innen sehen durfte. Zu sechst auf Tatami Matten sitzend um einen kleinen Tisch gedrängt. Neben vielen kleinen Köstlichkeiten gab es besten Sake. Der Gastgeber stammt aus der Präfektur Aomori, die für den ausgezeichneten Sake bekannt ist. Reichlich stolz wurde daher eine Flasche nach der anderen präsentiert und verkostet. Getrunken wird übrigens aus kleinen Schälchen.

The first Kaiten-Zushi.

Es hat nun tatsächlich 11 Tage gedauert, bis ich das erste Mal (so richtig richtig) in Tokyo Sushi essen gewesen bin. Was soll ich sagen, aber es gibt bei mir wohl eine direkte, empirisch bewiesene Verbindung zwischen Sushi und dem Areal im Gehirn, welches für Glück zuständig ist. 回転寿司 – Kaiten-Zushi kennt man auch aus Deutschland, einzelne Tellerchen fahren auf einem Laufband an den Gästen vorbei und können direkt von da genommen werden.

Hiragana Lektion 1: a i u e o.

Der Weg zur japanischen Sprache wird ein langer. Soviel steht jetzt schon fest. 4 Alphabete die bunt gemischt werden. Ich probiere mich aktuell mit den nötigsten 15 Sätzen durchzuschlagen. Ab kommender Woche gibt es dann 5x die Woche Japanischunterricht – die Lehrer dafür haben den Ruf, besonders streng und strikt zu sein. Um den Japanisch-Professor zu zitieren: “It will be hard, demanding, strict, challenging, exhausting. That’s the fun, right?” Als Erstes lernt man das Silbenalphabet Hiragana. Für verschiedene Silben gibt es jeweils ein eigenes Zeichen. a = あ ka = か i = い ki = き u = う ku = く e = え ke = け o = お ko = こ Und so weiter. Insgesamt gibt es 50 dieser Laute. Und das ist dann nur das erste Alphabet :-). Immerhin bekomme ich meinen Vornamen schon hin: ka + i = かい. Oder alternativ in Kanji (den chinesischen Schriftzeichen): 海. Meine ersten Schreibversuche könnt ihr hier bewundern. Die kleinen Nummern “1 – 2 – 3” zeigen in welcher Reihenfolge die einzelnen Striche …

The Udon Soup.

Noch ist kein Meisterkoch vom Himmel gefallen. Aktuelles Projekt: Eine ordentliche Udon (japanische Nudeln – 饂飩) Suppe zaubern. Aktueller Fortschritt: Jaaaaaa, wird so langsam :) Ihr erinnert euch an meinen ersten Eintrag: Loud Slurping? Dem ist wirklich so, man erschreckt erst einmal, wenn um einen herum alle plötzlich laut schlürfend über den Schüsseln hängen – aber anders kann man die Nudeln einfach nicht essen. Und ja, nur mit Stäbchen. :-)

Circles & Clubs.

Was es bei uns an der Uni praktisch gar nicht gibt – hier ist es riesig: Circles. Diese Woche konnten die circa 100 verschiedenen Circles (so was wie Hobby-Clubs) auf dem Campus ihre Projekte präsentieren und lautstark für sich Werbung machen. Es gibt Circles für so ziemlich alles. Tennis, Baseball, Fotografie, traditionelles japanisches Bogenschießen, Trinken, Kochen, Reisen, ALLES. Üblicherweise sind sie auch ziemlich strikt organisiert, gerade die Sport-Circles haben durchaus 4-6 Treffen à 2h die Woche. Ich habe mich mal für den Track & Field Circle beworben, in Vorbereitung auf den nächsten Halbmarathon im Oktober.

Kim und die Raketen

http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-krise-japan-bringt-raketenabwehr-in-stellung-a-893241.html In der größten japanischen Zeitung sieht es dann so aus: http://www.asahi.com/politics/update/0409/TKY201304090034.html Ein bisschen komisch ist es schon, wenn 800 Meter neben der Uni (die ziemlich zentral neben dem Regierungsviertel liegt) auf einmal Patriot-Raketen stehen. Was mich aber wundert: Habe vermehrt drauf geachtet, aber Nordkorea ist nicht mal das Nummer 1 Thema in den Medien hier. Eins von 3-4 Hauptthemen ja, abends am Esstisch aber eher Randnotiz. Vielleicht ist es eine Art für die Japaner damit umzugehen, in Europa ist das Thema präsenter. Die Meinungen hier sind irgendwo zwischen “erreicht uns eh nicht”, “trifft zuerst Seoul” und “was für ein Clown”.